ADHS - allgemeiner Überblick

Krankheitsbild ADHS

Der hyperaktive und impulsive „Zappelphilipp“ aus dem Struwwelpeter ist ein typisches Kind mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Er ist unaufmerksam, impulsiv und unruhig. Fehlt das dritte Merkmal, die Unruhe oder Hyperaktivität, spricht man von einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung, der ADS.

Keine Krankheit wie Masern oder Röteln

ADHS ist keine akute Krankheit wie Masern oder Röteln, sondern sie begleitet die Betroffenen häufig durch das gesamte Leben. Die Betroffenen können mehr oder weniger daran leiden und die Symptome in verschiedenen Lebensphasen auch Teil einer „normalen“ Entwicklung sein. So müssen kleine Kinder erst lernen, ihr Verhalten zu steuern, und Übergangsphasen oder belastende Ereignisse wie ein Umzug oder die Trennung der Eltern können vorübergehend zu ähnlichem Verhalten führen.

Jungen häufiger betroffen als Mädchen

Bei Kindern mit ADHS zeigen sich die typischen Verhaltensweisen schon im Vorschulalter in allen Lebensbereichen und bestimmen dauerhaft ihren Alltag. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen, wobei die Mädchen häufig weniger auffällig sind und damit oft verkannt werden. Bei bis zu zwei Drittel der Kinder setzt sich die Störung auch im Erwachsenenalter fort.

Ursache: Störungen im Hirnstoffwechsel

Ob ein Kind ADHS hat und wie stark die Symptome sind, hängt von verschiedenen Faktoren und ihrem Zusammenspiel ab: biologischen, psychosozialen und Umweltbedingungen.

Eine Hauptrolle scheint dabei die genetische Veranlagung zu spielen. Aus der Zwillingsforschung ist bekannt, dass bei eineiigen Zwillingen sehr viel häufiger beide Kinder unter ADHS leiden als bei zweieiigen. Zudem tritt ADHS familiär gehäuft auf, das heißt Kinder, von denen ein Elternteil ADHS hat, haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls ADHS zu entwickeln.

Ursache hierfür ist ein Mangel an bestimmten Neurotransmittern im Gehirn, weche für die Übertragung von Informationen zwischen den Nervenzellen zuständig sind. Insbesondere in Hirnregionen, die für Aufmerksamkeit, Motorik und Impulskontrolle verantwortlich sind, besteht häufig ein chronischer Mangel an Dopamin. Diese Hirnregionen sind bei Betroffenen zudem oft leicht verkleinert und elektrisch weniger aktiv.

Folge: Reizüberflutung

Gibt es im Körper zu wenig Dopamin, können Reize von außen ungefiltert auf die betroffenen Personen einstürmen und nicht richtig verarbeitet werden. Dies führt dazu, dass es den Menschen schwer fällt, sich selbst zu steuern – ihre Bewegungen, ihre Gefühle und ihre Aufmerksamkeit. Sie haben Probleme, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und sich auf eine Sache zu konzentrieren, ohne sich durch äußere Reize ablenken zu lassen.

Faktor Umwelt

Wie schwer es den Betroffenen tatsächlich fällt, ihr Verhalten zu steuern, scheint aber auch stark von psychosozialen und Umweltfaktoren abzuhängen. So können insbesondere die familiären Bedingungen, unter denen ein Kind aufwächst, die Entwicklung und den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. Aber auch bestimmte Giftstoffe in der Nahrung, Allergene, Infektionen im Säuglingsalter oder traumatische Hirnschädigungen können Auswirkungen auf die Ausprägung und den Verlauf von ADHS haben. So können Frühgeborene besonders häufig eine solche Störung entwickeln.